10.05
2024
Freitag
20:00 - 22:30

— KONZERT

Harri Stojka mit Acoustic Drive: „A Tribute For My Family“

Jazzmusiker Harri Stojka und Band gibt im Groundlift unter Schirmherrschaft von Romani Rose sein Ankündigungskonzert zum Kinofilm CODENAME KRÄUTERGARTEN, begleitet von Karl Knaups Lesung aus dem Buch „Papierne Kinder“ von Harris Vater Johann „Mongo“ Stojka.

Er gilt als einer der bedeutendsten Jazzmusiker Österreichs: der Ausnahme-Gitarrist und Komponist Harri Stojka steht seit mehr als 50 Jahren auf den bekannten Festival- und Konzertbühnen und hat mit Musikgrößen wie John McLaughlin, Carlos Santana, Van Morrison, George Benson oder Herbert Grönemeyer gearbeitet. Am 10. Mai 2024  ist Harri Stojka mit seiner Band auf der Bühne im Groundlift der Alten Brauerei Stegen zu erleben. Das Konzert „Harri Stojka – A Tribute For My Family“ ist Teil der Dreharbeiten für den Kinofilm CODENAME KRÄUTERGARTEN des oberbayerischen Filmemachers Walter Steffen. Zum 80. Jahrestag des Kriegsendes und der KZ-Befreiung wird der Film im Frühjahr 2025 bundesweit in den Kinos starten.

Romani Rose, der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti & Roma wird für das Konzert von Harri Stojka & Band im Groundlift Studio die Schirmherrschaft übernehmen und dazu auch persönlich anreisen.

Der österreichische Jazzgrande Harri Stojka wird in dem Film den Teil der Filmmusik übernehmen, der in Verbindung mit dem „Porojmos“ steht, dem Genozid der Nazis an den Roma und Sinti. Harri und seine beiden Schwestern Doris und Sissi Stojka werden darin auch über ihre ehemals große Familie berichten, über den im KZ Dachau ermordeten Großvater Karl Wacker Horvarth, über ihren Vater Johann „Mongo“ Stojka und dessen Geschwister.

Zu dem Konzert am 10. Mai im Groundlift in der Alten Brauerei Stegen wird der Film-Schauspieler Karl Knaup Texte aus dem Buch „Papierne Kinder“ von Harris Vater Johann „Mongo“ Stojka lesen. Mit 12 Jahren war „Mongo“ nach Deutschland deportiert worden. Als einer der wenigen seiner Familie überlebte er den Völkermord der Nazis.  Im KZ Buchenwald verfasste er als 13-jähriger ein Büchlein mit Gedichten und Zeichnungen. Ein niederländischer Schriftsteller, ebenfalls Häftling, ermutigte den damals jungen „Mongo“ dazu und versprach dem völlig unterernährten Jungen dafür täglich zusätzliche Brotrationen. Dieses Buch lag Jahrzehnte in verschiedenen Archiven und ist jetzt in der Holocaust Gallery des Imperial War Museum in London zu sehen. Anfang dieses Jahres hat Harri Stojka erstmals das Werk seines Vaters im Original zur Ausstellungseröffnung in London eingesehen. Ende März wird André Heller in der Hamburger Elbphilharmonie Harri Stojka im Gespräch mit dem Musiker und Journalisten Robert Rotifer präsentieren. Auch hier sind die „Papierenen Kinder“ Thema.

Der Kinofilm CODENAME KRÄUTERGARTEN von Walter Steffen folgt dem Schicksal des mutigen katholischen Priesters Korbinian Aigner, der wegen seines Widerstands gegen das NS-Regime nach einigen Leidensstationen in den Gefängnissen Freising und Stadelheim im KZ Sachsenhausen landete. Ab 1942 war Aigner im KZ Dachau und leistete dort im „Kräutergarten“ schwerste Zwangsarbeit. Trotz dieser Tortur gelang es ihm, zwischen den Baracken neue Apfelsorten zu züchten. Eine dieser Züchtungen, die Apfelsorte „KZ3“ hat bis heute überlebt und wird weltweit als Erinnerungsbaum gepflanzt.

Gleich neben dem KZ Dachau hatten die Nazis ab 1938 eine große Plantage mit angeschlossener Gärtnerei anlegen lassen. Dort wurden im großen Stil Gewürze und Heilkräuter nach biodynamischen Methoden angebaut „zur Gesundung des Deutschen Volkskörpers“. Unter den Gefangenen war der Einsatz auf den Freiflächen des „Kräutergartens“ gefürchtet. Unzureichende Kleidung, Unterernährung, Schikane und Misshandlungen durch die SS machten die schwere Feldarbeit unter freiem Himmel zur lebensgefährlichen Qual. Auch Harri Stojkas Großvater Karl Wacker wurde hier zur Zwangsarbeit eingesetzt, die ihn schließlich das Leben gekostet hat

Korbinan Aigner hat das Konzentrationslager überlebt und mit ihm sein im KZ gezüchteter Korbinians-Apfel - als Baum der Hoffnung. Der Priester war ein stiller Held, der Haltung bewiesen und sich trotz aller drohender Gefahr für die Schöpfung und das Leben eingesetzt hat, womit er uns heute ganz besonders inspirieren kann.

Damit ist der Film CODENAME KRÄUTERGARTEN in einer Zeit, in der die Demokratie, die Freiheit und die Menschlichkeit erneut durch Rassismus, Antisemitismus, Antiislamismus und andere Formen menschlicher Ausgrenzung rechter Populisten gefährdet sind, aktueller und wichtiger denn je.

Auch das Konzert von Harri Stojka und seiner Band am 10. Mai 2024 soll dazu ein Zeichen setzten - zwei Tage nach dem Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus, der sich in diesem Jahr zum 79. Mal jährt.

Links zum Film und zu Harri Stojka:  
www.Kraeutergarten-Film.de
https://fm4.orf.at/stories/3038935/
https://www.elbphilharmonie.de/de/programm/harri-stojka-a-song-for-my-daddy/21545
http://www.harristojka.at

Foto: Johannes Wahl

Tickets:
- 28 Euro zzgl. VVK-Gebühr
- 32 Euro an der Abendkasse

Einlass: 19:00 Uhr
Beginn: 20:00 Uhr

Veranstaltungsort:
GROUNDLIFT AMMERSEE LIVE STUDIOS
Alte Brauerei Stegen
Landsberger Straße 57
82266 Inning am Ammersee

Veranstalter: Groundlift Media GmbH, Am Eichet 11a, 86938 Schondorf, TICKETS@GROUNDLIFT.DE, 08192 933345


Harri Stojka, geboren als Harald „Wakar“ Stojka 1957 in Wien, ist ein Musiker von Weltruf. An und mit der Gitarre, seinem Instrument, ist Stojka zugleich Spezialist und Universalist. Dem in seinem ewig jungen, inspirierten und inspirierenden Spiel mit und um die „time“ in den verschiedensten musikalischen Konstellationen jede künstlerische Beliebigkeit fremd ist.

Stil- und Genre-Bezeichnungen, deren vermeintliche Grenzen (Jazz, Blues, Rock, World, Swing … you name it, Stojka played and plays it!) dienen dabei höchstens als Orientierungspunkte oder Dialekte jener einen Weltsprache, der sich der aus einer Lovara-Roma Dynastie stammende Harri Stojka immer neugierig, immer offen und mit großem Ausdruck souverän bedient: Musik!

So hat Stojka über die Jahrzehnte eine in ihrer Qualität und künstlerischen Vielfalt schlicht eindrucksvolle Diskographie eingespielt, von frühen Highlights wie „…Off The Bone“ (1980, mit dem Harri Stojka Express) oder „Live At Montreux“ (1981) bis hin zu den jüngeren Arbeiten „Psycho Guitar“ (2019) oder „Salut to Jimi Hendrix“ (2020).

Die tiefgehende Auseinandersetzung mit Jimi Hendrix als einem für Harri an der E-Gitarre (mit) prägenden, vieles ankickenden Einfluss, die eigenständige Reflexion von dessen Musik in eigenen Songs und Hendrix-Adaptionen prägte dabei das Jahr 2022, in dem es Hendrix 80. Geburtstag zu feiern gab. Die wunderbar lauten und überbordenden Konzerte im Trio hallen noch ins gar nicht mehr so neue Jahr 2024 nach, eine der vielen Möglichkeiten und Aspekte von Harri Stojkas Musik, der seiner Muse immer auf mehr als eine Art nachspürt. 

So wächst auch die Diskographie munter weiter. Im Februar 2023 erschien die gemeinsam mit Jatinder Thakur (Tablas, Percussions & Voices) eingespielte CD „Improvisation: Live“ mit einem 2005 aufgenommenen funkensprühenden, aus dem Moment geschöpften extended Klang-Dialog der beiden Ausnahme-Instrumentalisten, im Frühjahr 2023 gab es dann die Gelegenheit mit „Harri Stojka goes Standards“ zu hören, wie sich der vielseitige Musiker 1999 an Rhythmus- und Leadgitarre klassischer Songs angenommen hat.

Ein weiterer aktueller Schwerpunkt von Harri Stojkas Live-Arbeit im Jahr 2024 liegt dabei ganz klar in der Formation ACOUSTIC DRIVE gemeinsam mit seinen kongenialen Partnern Herbert Berger (Sax), Peter Strutzenberger (Bass) und Sigi Meier (Schlagzeug). Hier wird Stojka style einem anderen von dessen wichtigen Einflüssen, Django Reinhardt und dessen musikalischem Universum nachgespürt, als Grundsatz dafür umreißt der Gitarrist den Ansatz von ACOUSTIC DRIVE prägnant als „moderne Jazz-Solistik mit Akustik-Gypsy-Sound“.

Was diese Worte knapp charakterisieren, transzendiert im Konzert die Limitierungen eines reinen Tributs, Stojka & Co gehen in die Vollen ihrer instrumentalen Ausdrucksmöglichkeiten, lassen ihre Musikalität nicht nur durch das Material Reinhardts sprechen, sondern bewegen sich ebenso dynamisch mit den Eigenkompositionen von Harri Stojka, der „drive“ im Bandnamen darf wörtlich genommen werden und zieht das Publikum rasch in seinen Bann.

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